MEHR ÜBER LOGO
WENIGER ÜBER UNS
    

Interview mit „unserer“ Erasmus+ Botschafterin

• Vom Mehrwert internationaler Jugendarbeit •

Katja Lenič Šalamun vom steirischen Verein InterAktion nutzt seit 2014 die EU-Jugendprogramme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps für die Arbeit mit jungen Menschen mit Fluchterfahrungen. LOGO als steirische Regionalstelle für diese EU-Programme hat sie auf diesem Weg begleitet.  

Heuer wurde sie zur Erasmus+ Botschafterin für den Jugendbereich ausgezeichnet. Wir haben ihr sechs Fragen zu ihren Erfahrungen und Motiven gestellt und auch einige Tipps bekommen

LOGO: Rückblick auf deine Anfänge in EU-Projekten. Wie bist du auf die Idee gekommen, ein EU-Projekt zu starten und wo hast du dich dazu informiert?  

Katja Lenič Šalamun: EU-Projekte fand ich immer schon super, weil man dadurch immer sehr offene Menschen kennenlernt und auch Europa bereisen kann. Zu Erasmus+ im Jugendbereich bin ich allerdings beim Planen einer größeren Veranstaltung zum Thema Menschenrechte gekommen. Und da hat alles hier im LOGO angefangen: Es war 2013 und wir wollten im Rahmen dieser Veranstaltung auch eine internationale Jugendbegegnung organisieren. Wir hatten null Erfahrung, haben aber auf der Suche nach Förderungen von LOGO und Faustina Verra gehört. Ich bin dann irgendwann zu ihr gekommen und sie hat mir alles erklärt und mich super beraten. Über sie habe ich dann auch Markus Plasencia und Konrad Fellerer von der „Panthersie für Europa“ kennengelernt und die wiederum haben mir bei der Programmgestaltung geholfen. Ich hatte ja null Ahnung, was nonformales Lernen ist, was Energizer sind usw. Also all das was bei einer Jugendbegegnung so vorkommt, habe ich überhaupt nicht gekannt. Mit dem Projekt haben wir dann aber sogar den Erasmus Award 2015 bekommen! 

Braucht es deiner Einschätzung nach besondere Vorkenntnisse oder Voraussetzungen, um EU-Projekte erfolgreich durchführen zu können?  

Erasmus+ ist so konzipiert, dass man auch ohne besondere Vorkenntnisse ein Projekt durchführen kann. Es sollen ja auch junge Erwachsene in dem Bereich aktiv werden und die haben in der Regel ja keine Vorkenntnisse. So wie ich damals. Allerdings denke ich heute, dass man wissen sollte, wie man ein Projekt allgemein richtig budgetiert. Aber hier bei euch im Haus wird man sowieso super beraten. Und wenn man den Antrag ausfüllt, sieht man was für ein Projekt generell alles wichtig ist, es sind ja auch viele praktische Fragen zu beantworten. Und Faustina hilft auch mit allem. Aber man lernt beim ersten Projekt ohnehin extrem viel. Es ist einfach learning by doing. 

Tipps für den Start. Wie fängt man am besten an? Gibt es Förderschienen, die sich gut dazu eignen einmal in das Programm hineinzuschnuppern?  

Das Allerwichtigste, bevor man überhaupt anfängt, ist dass man sich die Frage stellt, was man mit dem Projekt bewirken will. Geht es um das Erlernen von Kompetenzen, um persönliche Entwicklung von Teilnehmer:innen, um ein bestimmtes Thema, das der Zielgruppe wichtig ist oder etwas das man in der lokalen Gemeinschaft ansprechen soll? Das Ganze muss also einen Sinn haben. Anfangen würde ich dann mit Mobilitätsprojekten, am besten mit einer Jugendbegegnung. So kann man gut ins Programm einsteigen. Innerhalb von Erasmus+ gibt es ja unterschiedliche Möglichkeiten. 
Das Zweite, das wichtig ist, ist das Netzwerken. Und zwar schon ganz von Anfang an. Es ist übrigens viel einfacher, wenn man z.B. eine Jugendbegegnung in einem kleinen Ort macht, denn dort kann man sich viel einfacher vernetzen. Man sollte das Projekt unbedingt auch der Gemeinde vorstellen und den Nutzen aufzeigen, den alle Beteiligten haben - auch die Wirtschaft! Das wird manchmal vergessen. Denn die Mehrheit der Gelder bleiben ja in der Gemeinde! Wir haben z.B. eine super Zusammenarbeit mit der Gemeinde Trofaiach. Die Gemeinde schätzt unser Engagement sehr und unterstützt uns auf unterschiedlichen Ebenen. Und das erleichtert sehr vieles! 

Wo siehst du den Mehrwert von EU-Projekten im Jugendbereich? Gibt es Projekthighlights/Erlebnisse, die du mit uns teilen möchtest, um zu verstehen, was ein EU-Projekt ausmacht? 

Für uns war und ist Erasmus+ eine super Möglichkeit, um unsere Zielgruppe Jugendliche mit Fluchthintergrund zusätzlich zu unterstützen. Um ihnen z.B. die Möglichkeit zu geben zumindest für eine Woche, 10 Tage, all das zu haben, was für uns normal ist. Das heißt: Mit anderen Jugendlichen einfach einmal das Leben genießen, Neues zu lernen und dabei Spaß zu haben. Akzeptiert zu werden, wie man ist. Wo einmal die Herkunft keine Rolle spielt und wo auch andere Interesse an dir zeigen. Das war für uns das Wichtigste. Und auf der anderen Seite kann man in einer sehr kurzen Zeit und auf unbeschwerte Weise sehr viele Inhalte vermitteln. Es passiert auch immer wieder, dass wir am Ende einer Jugendbegegnung den Satz hören: „Danke, ich habe in diesen Tagen mehr gelernt als in den letzten Jahren in der Schule“. Es geht also nicht nur um Theorie, sondern um das ganze Paket. Und es ist immer sehr, sehr emotional.  

Projekte während Corona – deine persönlichen Lernerfahrungen. Gibt es Dinge, die du aus dieser Zeit mitnimmst für die weitere Projektarbeit?  

Wir haben es heuer tatsächlich geschafft, trotz Corona drei Mobilitäten durchzuführen. Mit entsprechenden Maßnahmen war das sehr gut realisierbar: In der Steiermark haben wir ja den Verein Sozialprofil und den wunderbaren Markus Plasencia, der uns immer mit neuen Methoden in der Jugendarbeit aushilft, mittlerweile auch im Bereich des digitalen Zusammenseins. Hier gibt es tolle Möglichkeiten, wie z.B. gather.town oder wonder.me – sehr spannende Alternativen zu den Zoom-Meetings! Wir haben also auf jeden Fall gelernt, dass man die Meetings interaktiver gestalten kann und wir werden auch im nächsten Jahr wieder viel online machen. Besprechungen oder Vorbereitungstreffen der Jugendlichen aus den verschiedenen Ländern kann man beispielsweise gut online machen. 

Aber natürlich: Obwohl Online-Besprechungen durchaus effizient sein können, ersetzen sie natürlich nicht das Zusammenkommen. Und wir haben auch wieder gesehen, wie sehr solche Jugendbegegnungen einfach wichtig sind, und wie gut es uns allen tut, dabei zu sein. Persönlich dabei zu sein. 

Wir führen dieses Interview im Rahmen der Erasmus+ Days: Deine Gedanken zu den Erasmus+ Days? Was möchtest du heute und auch in Zukunft als Programmbotschafterin an andere weitergeben? 

Einerseits möchte ich die Jugendlichen dazu ermutigen mitzumachen und so eine internationale Jugendbegegnung einmal zu erleben. Wir werden bei unseren Jugendbegegnungen in Trofaiach auch in Zukunft immer wieder Schnuppertage haben, sodass Jugendliche für ein oder zwei Tage kommen können, um einfach zu schauen was da los ist und ob das für sie interessant wäre. 

Und auf der anderen Seite würde ich jenen, die mit benachteiligten Jugendlichen arbeiten - seien das bildungsbenachteiligte, sozial benachteiligte oder Jugendliche mit Migrations- beziehungsweise Fluchthintergrund –raten, sich die Möglichkeiten, die man in diesem super Programm hat, anzuschauen. Ich finde, dass man gerade diese Zielgruppe durch dieses EU-Programm wunderbar unterstützen kann. Und zwar auf unterschiedlichsten Ebenen und durch unterschiedliche Programmschienen. Und wenn man zweifelt oder Angst hat oder sich das alles nicht so vorstellen kann, dann kommt einfach zu Faustina ins LOGO oder kontaktiert mich und dann: Einfach machen! 
 

Das Interview hat Anna Tengg von LOGO geführt.

Du findest das Interview auch als "NA LOGO!" Podcast,
Episode #ERASMUSDAYS: Deine Möglichkeiten in Erasmus+ Jugend

Links:

EU-Förderungen für Fachkräfte und Organisationen
EU-Förderungen für Jugendliche
 

Farbbalken von DreiFünf macht Werbung der Full Service Werbeagentur in Graz, Steiermark