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Junge Menschen erzählen

• Stephan über Praktikum in Lettland •

Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme mit „Rigas Juglas Vidusskola“ (Jugla Mittelschule) fand im Grunde über Umwege statt. Aufgrund meines Faches Deutsch machte ein Praktikum im Ausland natürlich nur Sinn, wenn ich eine Schule mit dem Fach Deutsch finden würde. So stieß ich im Internet auf die Homepage der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (pasch.net) und so in weiterer Folge auf alle teilnehmenden Schulen, die einen besonderen Schwerpunkt auf der deutschen Sprache haben. Insgesamt versandte ich Anfragen per E-Mail an Schulen in Helsinki, Tallinn, Riga und Istanbul. Von den Schulen in Riga und Istanbul bekam ich fast sofort Zusagen und schlussendlich entschied ich mich für Riga. Ich konnte die zeitliche und organisatorische Planung des Praktikums ohne Einschränkungen wie von mir gewünscht umsetzen und mir wurde außerdem sofort Hilfe bei der Wohnungssuche und allem, was ich benötigte, zugesagt. Außerdem bekam ich einen „Mentor“, ein Deutschlehrer der Schule, der mich speziell unterstützte und den ich jederzeit kontaktieren konnte, wenn ich Hilfe benötigte.

Reisevorbereitungen

Reisevorbereitungen mussten vor allem hinsichtlich der Unterkunft und der Finanzierung getroffen werden. Aufgrund der finanziellen Unterstützung der Uni Graz konnte ich mir mein Praktikum leichter leisten, da ich ansonsten alles selbst zahlen musste. Für die Suche einer Unterkunft gibt es sowohl auf sozialen Netzwerken mehrere Gruppen zu diesem Thema, als auch eigene Studentenhostels. Diese Hostels sind jedoch nur für Studenten der Universität Riga vorgesehen, weswegen ich mich anderweitig umsehen musste. Hier war die Jugla Mittelschule eine sehr große Hilfe, da sie innerhalb einer Woche eine komplett eingerichtete Wohnung für einen sehr guten Preis für mich fand, die außerdem nur 2 Gehminuten von der Schule entfernt lag. So konnte ich bereits sehr früh meine Reisevorbereitungen abschließen.

Ankunft, Abholung, Abreise

Des Weiteren ließen es sich einige Lehrer/-innen der Schule nicht nehmen, mich gleich bei meiner Ankunft abzuholen und zu meiner Wohnung zu bringen, sodass ich nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war. Dies änderte sich auch nicht, als mein Flug Probleme hatte und ich statt zu Mittag um Mitternacht am Flughafen in Riga ankam. Den Schlüssel zur Wohnung hatten diese ebenfalls bereits mit. Ich brauchte mich also auch bei der Ankunft um nichts kümmern. Am Tag der Abreise wurde mir erlaubt, bereits zu Mittag meine Arbeit zu beenden, somit hatte ich genug Zeit, um meinen Flug am späten Nachmittag zu erwischen. Die Schule unterstützte mich also auch hier in jeglicher Hinsicht.

Unternehmen

Die Rigas Juglas Vidusskola ist eine relativ große Gesamtschule in Jugla, einem Randbezirk von Riga. Da sie jedoch sowohl einen Kindergarten als auch Schulklassen von der 1. bis zur 12. Schulstufe beherbergt, zählt die Schule einen Lehrkörper von etwa 100 Lehrer/-innen und auch eine dementsprechende Anzahl von Schüler/-innen. So ist die Schule auf zwei Gebäude aufgeteilt, die jedoch direkt nebeneinander stehen. Die Lehrer/-innen verstehen sich im Grunde alle sehr gut untereinander und speziell bei den Lehrern/-innen gemeinsamer Fächer herrscht ein reger Informationsaustausch zu Methoden, Unterlagen, etc. So wird sehr stark Hand-in-Hand gearbeitet, es werden Projekte veranstalten usw. Der Unterricht beginnt um 8:30 Uhr und geht meist bis 16 oder sogar 17 Uhr. Die Stunden dauern nur 40 Minuten und die Pausen 10 Minuten, was zwar weniger Unterrichtszeit wie in Österreich bedeutet, jedoch die Aufmerksamkeit der Schüler/-innen unterstützt. Durch den längeren Schultag ist außerdem sogar mehr Unterrichtszeit möglich als bei Schulen in Österreich. Statt einer großen Pause hat jede Klasse entweder in der 4. oder 5. Stunde eine Freistunde, in der sie in der Schulkantine etwas zu Mittag essen können.

Tätigkeitsbereich

Meine Tätigkeit bestand nun im Großen und Ganzen im Hospitieren und später Halten von Unterrichtsstunden. In der ersten Woche hospitierte ich vor allem in Deutsch- und Sportstunden – wenn Zeit war, vereinzelt auch Englischstunden – mehrerer Lehrer/-innen und bekam so einen guten Einblick in den Ablauf des Alltags der Schule bzw. der Lehrer/-innen. Ich hielt bereits einige Deutsch- und Sportstunden selbst, jedoch nur vereinzelt und hauptsächlich hospitierte ich. In der zweiten Woche wurde eine Projektwoche veranstaltet. Hier wurde eine Woche lang in den Klassen mit dem Klassenlehrer/-innen an Zusammenhalt der Klasse, Dokumentation des Jahres, etc. gearbeitet und ein Ausflug unternommen. In dieser Woche war ich hauptsächlich bei der Klasse meines Mentors. Dies war eine großartige Möglichkeit für mich, ebenfalls in diesen Bereich der Lehrtätigkeit einen Einblick zu bekommen. Ich wurde in die Planung des Ausflugs eingebunden und konnte so eine Exkursion mit den Augen eines Lehrers kennenlernen. An einem Tag der zweiten Woche war ich jedoch noch eingeladen, mir einige der Präsentationen der Abschlussarbeiten (wie Vorwissenschaftliche Arbeiten in Österreich) anzusehen. In der zweiten Hälfte meines Praktikums bekam ich ein „echtes“ Gefühl für den Lehrerberuf. Ich bekam 4 Klassen (aus „Oberstufe“) in Deutsch und 2 Klassen (aus „Unterstufe“) in Sport, um sie zu unterrichten (Anzufügen ist hier, dass ich Deutsch als Fremdsprache und in Sport mit Unterrichtssprache Englisch unterrichtete, aufgrund der Tatsache, dass ich in Riga war). Ich kam also auf 18 Unterrichtsstunden in der Woche, plante den Unterricht zu verschiedensten Themen, übernahm Organisatorisches wie die Überprüfung der Anwesenheit und durfte sogar kleine Prüfungen machen, die in die Note einfließen würden. In all diesen Stunden war kein/-e andere/-r Lehrer/-in anwesend, d.h. ich war im Grunde auf mich allein gestellt. Für mich war das kein Problem und ich überließ die Entscheidung den Lehrer/-innen selbst, ob sie meinem Unterricht beiwohnen wollten oder nicht. Die Schulleiterin ließ es sich natürlich nicht nehmen, sich eine meiner Unterrichtsstunden anzusehen und ich bekam sehr gutes Feedback von ihr am Ende. Speziell in dieser zweiten Hälfte meines Praktikums habe ich sehr viel Neues über den Lehrberuf kennengelernt. Durch die Unterrichtsplanung mehrerer Wochen und allem, was damit verbunden war, war es mir möglich, ein viel deutlicheres Bild vom Lehrberuf und dessen Alltag zu bekommen, als ich bisher hatte.

Zusammenfassung

Ich würde dieses Praktikum auf keinen Fall missen wollen. Auch wenn ich den überwiegenden Teil der Kosten selbst tragen musste, war es doch nicht nur lehrreich zu sehen, wie Schulen in anderen Ländern funktionieren, sondern vor allem für mich eine wertvolle Erfahrung, den Beruf des Lehrers bzw. der Lehrerin einmal viel genauer kennen zu lernen, als es durch die Universität bisher möglich war.

 

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