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DER STEIRISCHE ESO-JAHRESBERICHT 2014

Im Folgenden finden Sie wie üblich den gesamten Text des Berichtes sowohl im Artikel-Format als auch als Download!

© LOGO ESO.INFO


ESO-NARZISSTEN, KOMMERZGURUS, GOTTESKRIEGER -
Konfrontationen einer verunsicherten Jugend

 

KURZTEXT


* Der zunehmende radikale Fundamentalismus erfordert eine neue Aufklärungswelle und präventive Strategien, die Idealismus sinnvoll und glaubhaft fördern und zu denen die Schaffung neuer, nicht kommerzieller Freiräume und Mußezeiten für Jugendliche gehören.

* Zunehmend vermarkten sich esoterische AnbieterInnen als Reparaturinstanzen für gestresste, gemobbte, von Burn-out betroffene oder bedrohte Menschen. Indirekt wird dabei der Einsatz für gerechte Löhne und gesunde Arbeitsbedingungen untergraben.

* Neue Fachbroschüre „Vom Kultplatz zur Energietankstelle" ist nunmehr über LOGO erhältlich. Der esoterische Kraftplatzboom wird kritisch unter die Lupe genommen.

* Neue Wirkungsmöglichkeiten für so genannte Sekten und fundamentalistische Gruppen: Die kostenlose Anbietung von Räumen für NGOs und Initiativgruppen ist verlockend.

* Neue Allianzen von esoterischen, ökologischen und rechtsextremen Strömungen in Zusammenhang mit einer neuen Hinwendung zur Region und zu einer freien Spiritualität werden meist nicht erkannt.

* Unseriöse esoterische TrainerInnen drängen verstärkt in Schulungsbereiche und von seriösen Organisationen organisierte Seminare zur Selbstfindung und Lebenshilfe.

 


Download ESO-Jahresbericht 2014
 


 

AUSFÜHRLICHER TEXT

 

Brennpunkt Islam und Fundamentalismus

Die mediale Berichterstattung, dass europaweit, so auch in Österreich und der Steiermark, junge Menschen aufbrachen, um als Gotteskrieger ihre Vorstellung des Jihad militant zu verwirklichen, schockierte die Öffentlichkeit und spiegelte sich in Gesprächen und Diskussionen, die ich mit Jugendlichen und Erwachsenen zu diesem Thema führen konnte. Ich möchte meine langjährige Erfahrung (seit 1978) mit dem Bereich der neuen religiösen und politischen Bewegungen mit dem aktuellen Brennpunkt der jungen JihadkriegerInnen verbinden und versuchen, aus der Perspektive des LOGO ESO.INFO dazu Stellung zu nehmen und präventive Alternativen vorzuschlagenn

Fundamentalismus als verengende, intolerante Anschauung ist nicht nur in der Steiermark im Vormarsch. Fundamentalismen, die die Demokratie bedrohen, finden wir in allen Weltreligionen und extremen politischen Bewegungen, aber auch in einer beachtlichen Zahl kleiner esoterischer Gruppierungen (während der esoterische Mainstream davon nicht betroffen ist).

Was sinnvoll wäre: Eine Aufklärungsoffensive, die Jugendlichen, Jugendverantwortlichen, Familien und PolitikerInnen bewusst macht, dass bezüglich neuer religiöser Strömungen und religiöser Gruppen (dazu sind auch esoterische zu zählen) eine Unterscheidung zwischen autoritärer, fundamentalistischer und humanitärer Religiosität vorzunehmen ist, wie sie seinerzeit Erich Fromm erarbeitet hat. Es gibt in den Religionen, Freikirchen und der Unzahl esoterischer und spiritueller Gruppen Personen und Trends, die glaubhaft für Menschenrechte und Demokratie eintreten und solche, die wieder mit einem autoritären, religiösen Führerstaat sympathisieren. Gleichzeitig sollten demokratiekompatible religiöse Gruppen und Überzeugungen intensiv gefördert werden. Nun ist eine vorurteilsfreie Aufklärung über diese beiden Pole religiöser Überzeugungen mit Tabus und Widerständen belegt:

  • Etablierte Glaubensgemeinschaften scheuen sich verständlicherweise oft, totalitäre Randströmungen in ihren eigenen Reihen zu thematisieren.
  • In den letzten Jahren führte eine tabuisierende Betonung der Religionsfreiheit, deren Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, dazu, dass Kritik an bedenklichen Erscheinungen bezüglich der neuen religiösen Bewegungen mit Vorwürfen der „Verletzung religiöser Gefühle" und „Missachtung der Religionsfreiheit" abgewürgt wurde.
  • Statt Diskussion und Gespräch werden Klagedrohungen getätigt, die Kritik abwürgen sollen.
  • Bezüglich des Islam erschwert eine weit verbreitete und nicht differenzierende Ablehnung dieser Religion seriöse Informationstätigkeit.

Ich bin überzeugt, dass wir um eine schonungslose Aufklärung nicht herum kommen. Die verschiedenen politischen Einbettungen und Zielsetzungen unterschiedlicher religiöser, esoterischer und spiritueller Gruppen sind zu wenig bekannt. Üblicherweise gelten diese Bereiche als apolitisch, was sie manchmal, aber nicht immer, sind. Natürlich ist Aufklärung kein Allheilmittel. Aber die intensive kritische Aufklärung in Bezug auf so genannte Sekten und vor allem in Bezug auf Scientology, haben in weiten (steirischen) Bevölkerungskreisen dank medialer Unterstützung ein kritisches Bewusstsein geschaffen, ohne das problematische Gruppen leichter mehr AnhängerInnen rekrutieren könnten. Eine vergleichbare Aufklärung sollte nun in Bezug auf Fundamentalismen einsetzen.

Nun ist in letzter Zeit, anlässlich der deutlichen Zunahme rechtsextremer Straftaten, die Forderung nach einer Informations- und Beratungsstelle bezüglich des Rechtsextremismus erhoben worden. Das Innenministerium hat zwar vorerst ein Konzept für eine Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus abgelehnt, das von Wolfgang Quatember, dem Leiter des Zeitgeschichtemuseums Ebensee, stammt. Gut Ding braucht Weile. Sinnvoll wäre es, eine derartige Stelle oder Stellen um die Thematik des Fundamentalismus zu erweitern, d.h. eine oder mehrere Stellen zu schaffen, die sich demokratiebedrohenden, totalitären und autoritären Strömungen und Bewegungen kritisch widmen, dringend benötigte Internetrecherchen durchführen, Betroffene beraten und Vorträge abhalten können.

In der Steiermark geschieht diese Aufklärung im Kontext der Ausbildung zum/zur JugendarbeiterIn und im Kontext der Ausbildung zur Jugendwohlfahrt, was positiv, aber freilich nur ein kleiner Baustein ist. Offen bleibt die Frage, ob eine derartige neue Beratungsstelle in bestehende Beratungseinrichtungen integriert werden kann und soll. Auf jeden Fall sollte es bei einer derartigen Stelle um eine konstruktive Zusammenarbeit von mit der Thematik befassten WissenschaftlerInnen, Jugend- und SozialarbeiterInnen und der Polizei gehen. (Dies ist keine Werbung für meine eigene Stelle, in deren Rahmen ich oben beschriebene Arbeit, quasi als kleinen avantgardistischen Beitrag für zukünftige Entwicklungen, gemäß meiner Ressourcen leiste, ich bin für ein derart zukunftsorientiertes, längerfristig konzipiertes Projekt bestenfalls als Ratgeber zu gebrauchen.)

Zeichnen wir kurz den Weg eines Jugendlichen nach, der in einer fundamentalistischen Gruppe landet, wobei derartige Gruppen nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum, Buddhismus und Hinduismus zu finden sind: Der junge Mensch fühlt sich einsam, unverstanden, nicht angenommen. Er findet in der umgebenden Gesellschaft keinen Halt, keinen Anker. Hat er Migrationshintergrund, kann es sein, dass die Bindungskraft der Herkunftskultur, die noch den Eltern emotionalen Halt gab, verblasst ist und die Integration in unsere Gesellschaft aus unterschiedlichen Gründen nicht zufriedenstellend erfolgte. Dazu mag Arbeitslosigkeit kommen. Der Materialismus der Mainstream Society widert ihn an. Dann trifft er plötzlich Menschen, die ihm eine Identität vermitteln, die ihn ernst nehmen (oder dies vortäuschen), er tritt aus der depressiven Komplexhaftigkeit seiner bisherigen Jugendjahre heraus. Mittels religiöser Schwarz-Weiß-Lehren, die Gut und Böse genau festlegen und keine Grauzonen zulassen, verortet sich die/der Jugendliche in der Gesellschaft, in der Welt, im Universum.

Ständige Predigten und Glaubenssitzungen fixieren die neuen Werte in ihrem/seinem Hirn, wobei sie/ihn eine neu gewonnene Gemeinschaft Gleichgesinnter unterstützt und auffängt. Die Ideale der Gruppe sind nicht materialistisch ausgerichtet, der allgegenwärtige Vermarktungs- und Kommerzialisierungsdrang, die Religion des Profits, wird von der Gruppe abgelehnt. Der Idealismus der/des Jugendlichen wird fest von der Gruppe gelenkt und eingefangen. Er kann zu aufopferungsbereiten Taten anspornen. Vergessen wir nicht: Viele junge Menschen, die zu so genannten Sekten gingen und gehen, sind wertvolle IdealistInnen, die unserer Gesellschaft entzogen werden. Auch der/die junge JihadkämpferIn zieht nicht in den Krieg, um materiellen Profit und ein fettes (nieder verzinstes) Bankkonto zu erlangen, sondern ist (fehlgeleitet) idealistisch bereit, selbst das eigene Leben für etwas zu opfern, das er/sie nun nach intensiver Schulung als richtig und wertvoll erachtet.

Diese Prozesse müssen wir verstehen, um präventiv gegen (militante) Fundamentalismen zu wirken. Nur ein starker Sozialstaat und die Aufrechterhaltung eines Wohlstands, der ein Leben in Würde ermöglicht, ist ein Bollwerk gegen radikale Fundamentalismsen im religiösen und politischen Bereich. Das zeigen Studien aus arabischen Staaten: Oft gehen Armut und Radikalisierung Hand in Hand. Unser Sozialstaat wurde nach 1945 ganz bewusst als Bollwerk gegen den Faschismus entwickelt. Dort wo Wohlstand für alle und mentale Zukunftssicherheit ist, trocknen intolerante Fundamentalismen (bis auf einen kleinen Rest) aus.

Ein weiterer Schritt wäre eine dramatische gesellschaftliche Veränderung. Wie gezeigt, saugen problematische religiöse und politische Gruppen den Idealismus von Jugendlichen ab, der sich in unserer durchkapitalisierten Gesellschaft, die Gefühle, Sehnsüchte, Beziehungen, Freizeit, ja selbst das Religiöse und Sinnhafte, in unverantwortlicher Weise vermarktet, schwer nachhaltig verankern kann. Diese Gesellschaft der Ego-Euroreligion stößt einen Teil der Jugend ab, wenn es auch nur eine Minderheit sein mag. Sinnvoll wäre nun die neue Schaffung von Freiräumen für Jugendliche, wo diese zumindest eine Zeit lang ohne gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck Sinnfindung und Lebensorientierung entwickeln können. Dazu muss ihnen den Marktmechanismen entzogene Muße, ein in unserer Gesellschaft bedeutungslos gewordener Begriff, zugestanden werden, wobei Muße in den antiken Zivilisationen (dort allerdings nur der Oberschicht zugestanden) so etwas wie eine europäische Variante von Meditation war.

Übrigens: Muße und Komasaufen sind nicht identisch. Neben der wirtschaftlichen Produktivität sollte unsere Gesellschaft nicht verkommerzialisierte Freiräume der Freizeitgestaltung, der Beschaulichkeit, der Sinnhaftigkeit wieder neu entwickeln, aus denen sich Idealismus in gesellschaftlich wünschenswerten, nicht fanatisierten Bahnen frei entfalten kann. Die gegenwärtige Verkommerzialisierung von Spiritualität im esoterischen Supermarkt raubt Jugendlichen sinnvolle Alternativen zum Turbokapitalismus. Esoterik, in käuflichen Instant-Eso-Happen verabreicht, ist der Gegenpol zu einer tiefergehenden Spiritualität oder religiösen Überzeugung, aus der Verantwortung für die Mitwelt entstehen kann und die letztlich essentielle Gegenerfahrungswelten zum zur Zeit zunehmenden Leistungsdruck und zur emotionalen Verflachung der alltäglichen Erlebenssphäre ermöglicht.


Esoterik statt sozialer Rechte und gerechter Löhne?

In letzter Zeit versuchen sich mehr und mehr esoterische AnbieterInnen als Reparaturinstanzen für gestresste, genervte oder von Burn-out bedrohte oder betroffene Menschen zu vermarkten. Sie versprechen, verbrauchte Menschen mittels esoterischer Methoden, Übungen, etc. wieder fit für den aufreibenden Arbeitsalltag zu machen. Dass erst unfaire Löhne, Leistungsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit und die stete Aushöhlung der (kollektivvertraglichen) Rechte der ArbeiterInnen und Angestellten zu psychosozial bedingten Krankheiten und Erschöpfung führen, wird mit keinem Wort erwähnt. Indirekt werden diese lebensfeindlichen Entwicklungen der Arbeitswelt legitimiert, die Arbeit der Gewerkschaften und sozial engagierter Menschen, PolitikerInnen und Vereine untergraben, denn es sind nun esoterische Heilversprechungen, die sich als einzig wahre Antwort auf berechtigte Bedürfnisse nach Ruhe, Gesundheit und Harmonie aufspielen.

Natürlich: Eine gute Massage (mit oder ohne Aurabetreuung) oder eine kontemplative Praxis kann dem/der Einzelnen helfen, in der zunehmend kälter werdenden Arbeitswelt des Turbokapitalismus besser zurecht zu kommen. Allerdings wird ein derartiger Rückzug in persönliche Ruhe-Oasen zur Persiflage, wenn ich kritiklos den weiter krankmachenden Arbeitsalltag akzeptiere. Und: Leisten können sich die Segnungen von guten Massagen, Entspannungs- und Yogakursen nur die, die (noch) Geld haben. Die Mittellosen, das Prekariat, sind von den Erfolgsversprechungen und Heilbotschaften der kommerziellen EsoterikanbieterInnen ausgeschlossen.
Kein Geld – keine Esoterik. Das gilt zumindest für den Mainstream. Einzelne AnbieterInnen sind im Gegensatz dazu sehr wohl von sozialem Gewissen durchdrungen, halten ihre Preise niedrig und klammern die politische Dimension der Problemlage nicht aus.

Die Individualisierung gesamtgesellschaftlicher Probleme, wie z.B. die Frage gerechter, nicht gesundheitsschädigender Arbeitsbedingungen, fördert, zusammen mit dem im esoterischen Mainstream vorherrschenden Egokult, einen Narzissmus, der auch in Allmachtphantasien ausarten kann. Der soziale, Verantwortung übernehmende Mensch, ohne den Demokratie immer mehr zur leeren Hülle wird, bleibt auf der Strecke. Moderner esoterischer Glaube auf den Punkt gebracht: „Wenn sich jeder um sich selber kümmert, ist für alle gesorgt." (Quelle: Banis Güdel, Ulrike. In: Bach, Kurt (Hg.): Zeitschrift PULSAR. Nr. 7/2013, S. 11.)

Steiermark: Land der Kraftplätze, Land der ESO-Schätze: Zukunftsreich?

Die Steiermark ist im Spitzenfeld der Rezeption und Vermarktung von Kultplätzen und Kraftplätzen zu finden. Diese Entwicklung spiegelt einen Longsellertrend in der Esoterik, der in der Geschichte und Gegenwart nachweisbar ist, wider. Aus diesem Grund habe ich den Kraftplatztrend genauer unter die Lupe genommen und die nunmehr aufliegende Fachbroschüre „Vom Kultplatz zur Energietankstelle" verfasst. Sie steht auf der Homepage www.logo.at zum Download bereit.

Neue Möglichkeit für so genannte Sekten

Eine neue Möglichkeit ergibt sich für so genannte Sekten und fundamentalistische Gruppen durch die Sparpakete: NGOs, soziale und ökologische Initiativgruppen und kleine Vereine können sich auf Grund von Subventionskürzungen oft keine Räumlichkeiten, für die eine Miete zu entrichten ist, mehr leisten. In dieser Situation bieten einige so genannte Sekten und konfliktträchtige religiöse Gruppen bzw. Organisationen kostenlose Räume für Programme und Sitzungen an. Dabei verbessern sie ihr Image und verfügen über ein neues, erweitertes Feld der Werbung durch persönliche Kontakte. Auch die Angebote von Gemeinschaft und materieller Hilfestellungen bis hin zur Vermittlung von Jobs durch problematische religiöse und extremistische politische Anbieter dürfen in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit, Working Poor und eines anschwellenden internationalen, auch in Österreich erkennbaren, Prekariats nicht unterschätzt werden.

Schmutzkübelkampagne

Im Sommer 2013 veröffentlichte ich im Rahmen des letzten steirischen ESO-Berichtes die Mitteilung, dass die Neue Germanische Medizin in der Steiermark verstärkt Aktivitäten setzt. Inzwischen agiert die Organisation wieder mit mehr Vorsicht: „Der genaue Seminarort wird erst 3 Tage vor dem Termin den zum Seminar angemeldeten Personen bekannt gegeben." (Quelle: Pilhar, Helmut: Seminare für Germanische Heilkunde von Dr. med. Mag. theol. Ryke Geerd Hamer. In: www.germanische-heilkunde.at/files/website/downloads/Seminare.pdf. Zuletzt aufgerufen am 6.8.2014.) Vorerst ist die Werbeoffensive der HameranhängerInnen in der Steiermark – im Gegensatz zu Deutschland – gestoppt.

Nun: Diese von der Presse 2013 aufgegriffene Mitteilung führte zu der massivsten Schmutzkübelkampagne gegen mich, die primär per Email geführt wurde. Beschimpfungen und Bedrohungen kannten keine Grenzen mehr. Zur gleichen Zeit wurde auf einem oststeirischen ökologisch-spirituellen Festival (Heart Culture), das von der Alternativszene getragen wird, von einem Radiomoderator holocaustleugnerische Aussagen öffentlich getätigt, wobei besagter Moderator wiederum mit zumindest einem Verteidiger der Neuen Germanischen Medizin in Verbindung stand.

Der Verfassungsschutz ermittelte. Ohne es zu wissen hatte ich in ein (neues) Wespennest gestochen, das aus einer Mischung aus Esoterik, magischen Heilsversprechungen, Rechtsextremismus und EU-Ablehnung sowie einer Minipartei bestand. Diese neuen Allianzen, die sich schnell bilden und wieder auflösen, immer über das Internet und Facebook und zum Teil auch über freie Radios laufen, sind eine qualitativ neue Herausforderung für die Aufklärungsarbeit bezüglich neuer religiöser und politischer Strömungen. Im konkreten Fall distanzierten sich die Veranstalter von den antisemitischen Äußerungen und verhängten über die 2013 anwesenden Holocaustleugner und Rechtsextremisten Festivalverbot. Im Sommer 2014 fand ein neues Heart Culture Festival statt, dessen weitere Existenz nach den Skandalen zunächst ungewiss war.

Vergewaltigt? Selber Schuld!

Kontinuierlich ist der breit gefächerte Trend zu beobachten, dass immer mehr dubiose EsoterikerInnen in den Heilbereich drängen, teilweise mit dramatischen Folgen, und dass ideologisch abgehobene EsoterikerInnen als ReferentInnen nicht nur in den Weiterbildungsbereich, sondern auch in den Schulungsbereich sensibler Gruppen einsickern. Wenn Menschen, die nach Halt, Heilung und neuer Selbstachtung streben, erklärt wird, an ihrem Leid oder Unglück seien sie dank miesem Karma selber schuld, wenn Frauen, die seit ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden, gelehrt wird, sie sollten ihren Peinigern dankbar sein, wenn der Holocaust mit einer „Kollektivschuld" der Juden gerechtfertigt wird, dann ist es höchste Zeit, den Bereich wild wuchernder „TrainerInnen", „LehrerInnen" und selbsternannter „LebensmeisterInnen" kritisch zu durchleuchten und keine Subventionen an derartig unseriöse SeminarleiterInnen mehr zu vergeben. In einigen Fällen konnte ich mit Hilfe verantwortungsbewusster Menschen VeranstalterInnen überzeugen, gewisse „TrainerInnen", die mit esoterischen Absurditäten Menschen verunsicherten, nicht mehr zu engagieren.

Weitere kurze News:

  • Der Neoschamanismus, von dem es hieß, er sei nun durch eine staatliche Ausbildung anerkannt, was sodann dementiert wurde, was wiederum kurz darauf zu einem Dementi des Dementierten führte, ist letzten Entwicklungen zu Folge doch nicht staatlich anerkannt. Ob auch das wieder dementiert wird bleibt abzuwarten.
  • Zahlreiche Anfragen betrafen den diesjährigen Friedenslauf der Organisation des verstorbenen Gurus Sri Chinmoy, die auch die SEWA-Läden betreibt. PolitikerInnen, Schulen, Gemeinden, die für den Lauf warben oder diesen positiv begleiten sollten, wurden über die tatsächlichen Betreiber nur ungenau oder gar nicht informiert. Die Gruppierung wird von ExpertInnen als autoritäre religiöse Gruppe eingeschätzt.
  • In Deutschland beobachtet der Verfassungsschutz in NRW weiterhin Scientology. In einem Bericht heißt es, „die Scientologen bemühen sich aber weiter über Tarnorganisationen vor allem im Nachhilfe-Sektor, Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu nehmen. Es werden bewusst Themen aufgegriffen, die in hohem Maße die Werte von jungen Menschen ansprechen." Für die Steiermark können derartige Aktivitäten nur vermutet werden.
  • Im Zuge der Wirtschaftskrise findet (nicht nur) in der Steiermark eine neue Hinwendung zu Selbstversorgung und eine Aufwertung kleinräumiger regionaler Wirtschaftskreisläufe statt. Diese neue Strömung wird vielfach von jungen Menschen (mit)getragen. Spirituelle und esoterische Überzeugungen vermengen sich häufig mit diesen Bestrebungen. Daran Beteiligte sind meist weltoffen, es gibt aber intolerante, sektoide Trends, z.B. wenn die eigene Ernährungsvorliebe zur alleinselig machenden Heilslehre hoch stilisiert wird und anders Essende verunglimpft werden.
  • Jüngste kritische Anfragen betrafen die Förderung von esoterischen AnbieterInnen durch das AMS.
  • Zunehmend werden Kinder und Jugendliche (über deren Eltern) für esoterische und mentaltraining-orientierte Programme und Events angeworben.
  • Sehr präsent ist in der Steiermark der erfolgreiche esoterische Lehrer Robert Betz. Er lehrt, dass wir in einer großen Zeit der Transformation leben, eine Botschaft, die bereits das New Age der achtziger Jahre verkündete. „Europa geht in Bezug auf die Transformation voran." Was sich offenbar nicht transformiert ist die Wertschätzung des Mammon: Betz über nicht kommerziell arbeitende „Spirituelle": „Wer das Materielle nicht liebt, kann es auch nicht anziehen. Hinter all dem steckt viel Selbstverurteilung und auch mangelnde Selbstwertschätzung". Sein Vortrag, 2014 in Graz gehalten, mit dem Titel: „Pinke, Kohle, Mäuse – Erfolg im Leben und in der Arbeit" spricht für sich. Wer sagte da, „eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr ... ?" (Zitate und Interview in: Bach, Kurt (Hg.): Interview mit Robert Betz. In: Bach, Kurt (Hg.): Zeitschrift PULSAR. Nr. 5/2014, S. 34.)

Den ESO-Bericht 2014 sollen nun vor der letzten Meldung zwei Stellungsnahmen abrunden, die vielleicht Anlass zu Reflexionen geben (wobei angemerkt sei, dass zeitgenössische KritikerInnen der Esoterik so etwas wie eine Mischung aus Robin Hood, Don Quijote und Asterix und Obelix sind):

  1. Aus christlicher Sicht Hugo Stamm: „Esoterik ist also keine Religion im Sinn einer Rückbindung, sondern eine spirituelle Plastikwelt. Wer sich vom persönlichen Gott verabschiedet, kann den eigenen Himmel mit beliebig vielen Göttern füllen. Götter, die nicht fordern, sondern als himmlische Dienstboten auftreten. Esoterik entspricht dem Trend nach Privatisierung des Religiösen, ihre Flexibilität erweist sich als wirtschaftlicher Vorteil. Dieser Markt setzt in Europa denn auch mehrere Milliarden Euro um und wächst auf Grund seiner schieren Größe und Wendigkeit freudig weiter. [...] Wer überfordert ist, fordert einfache Antworten. Und gegen die Macht des Marktes sind rationale Argumente eine schwache Kraft." (Aus einem Referat mit dem Titel „Gott ist nicht tot, er macht nur Geschäfte" von Hugo Stamm anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Schweizer evangelischen „Informationsstelle Kirchen, Sekten, Religionen" am 12.12.13) (Quelle: Stamm, Hugo: Gott ist nicht tot, er macht bloss Geschäfte. In: Supino, Pietro: www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Gott-ist-nicht-tot-er-macht-bloss-Geschaefte/story/12728309 zuletzt aufgerufen am 6.8.2014.
  2. Und Altmeister Johann Wolfgang Goethe: „Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt." (Quelle: Goethe, Johann Wolfgang von: Werke – Hamburger Ausgabe. Bd. 8, Romane und Novellen III. In: www.zitate-aphorismen.de/zitate/autor/Johann_Wolfgang_von_Goethe/49/150, zuletzt aufgerufen am 6.8.2014.)
  • Großes kritisches Interesse erntete die neue, weit rechts stehende, mit spirituellen Anklängen versehene (Jugend-) Bewegung der Identitäten, die vor allem im universitären Bereich der Städte Wien und Graz verankert ist, durch eine dem letzten ESO-Bericht beigefügte Studie. Nach einer Demonstration in Wien (16.5.2014), in deren Kontext es zu Gewalttätigkeiten kam, schnellte das Interesse erneut in die Höhe. Die Fachbroschüre zum Rechtsrock, die Alex Mikusch in Zusammenarbeit mit mir im Rahmen der LOGO ESO.INFO publizierte, erfreute sich sehr großer Nachfrage.

Statistik

Im Jahr 2013 verbuchte die LOGO ESO.INFO 1.476 Kontakte, wovon 327 (ca. 25%) von Jugendlichen erfolgten. Knapp die Hälfte der Anfragen (687) erfolgte zum Thema Esoterik. Somit setzte sich der Trend des Vorjahres fort.

Im ersten Halbjahr 2014 verzeichnete die LOGO ESO.INFO 855 Kontakte, davon 629 von Erwachsenen (knapp 75%) und 226 von Jugendlichen. Erwartungsgemäß setzt sich der Trend des Vorjahres auch im ersten Halbjahr 2014 fort: Knapp 45% der Anfragen erfolgten zum Thema Esoterik.
Mit Erstaunen registriere ich das ungebrochen große Interesse an so genannten Sekten, das seit ein paar Jahren wieder gestiegen ist (1.Hj 2014: 275 Kontakte oder 32% der Anfragen). Die Anfragenquantität insgesamt ist seit Jahren in etwa konstant.

Auf www.logo.at wurden die Medien der ESO.INFO 2013 insgesamt 3.077 Mal vollständig heruntergeladen. Hier die Top-5 der Downloads der ESO.INFO-Medien:

ESO.INFO-Medien Downloads
1 Fachbroschüre Schwarze Szene 1.761
2 Fachbroschüre Wer fürchtet sich vorm weißen Mann 657
3 Fachbroschüre Die braune Aura der Esoterik 620
4 Studie Die Identitären 397
5 Fachbroschüre Rechte Symbole 359

Dr. Roman Schweidlenka
[Leiter der LOGO ESO.INFO]

Graz, 12.8.2014, Internationaler Tag der Jugend


Download ESO-Jahresbericht 2014

PROJEKTE:

Mitmischen bei den Wahlen in der Steiermark und Vielem mehr. Verbindungen knuepfen, Gemeinsamkeiten entdecken, Bewusstsein schaffen. Beteilige dich an den ersten steirischen Jugendgesundheits-konferenzen! Gesundheitskompetenz in der professionellen, ausserschul. Jugendarbeit.

Stadt Graz, Amt für Jugend und Familie auf www.graz.atLand Steiermark, Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft auf www.verwaltung.steiermark.at

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