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DER STEIRISCHE ESO-JAHRESBERICHT 2007

Im Folgenden finden Sie den Bericht der ESO.INFO wie gewohnt als Kurztext und in der ausführlichen Version

Der steirische ESO-Jahresbericht 2007© LOGO Jugendmanagement


KURZTEXT

  • Dubiose Geschäfte mit der Gesundheit.
  • Esoterische Heilmethoden führen zu Verwirrung und Verunsicherung. In Verbindung mit sektoiden Gruppen kommt es zu ernsthaften Problemen.
  • Kreise um verurteilten Wunderheiler Hamer weiter subversiv aktiv. Die bedenkliche „Germanische Neue Medizin" des verurteilten „Heilers", der Tote zu verantworten hat und einen wirren Antisemitismus vertritt, wirbt weiter neue Anhänger, auch in der Steiermark. Dabei scheut man offene Karten.
  • Klagen über den Bruno Gröning Freundeskreis.
  • Der expandierenden Geistheilergruppierung wird laut Betroffenenberichten vorgeworfen, in einigen Fällen soziale Probleme zu verursachen.
  • Jan van Helsing wieder im Internet aktiv. Um den 1996 wegen Volksverhetzung verurteilten rechtsextremen Esoterikstar Jan van Helsing ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Nun ist er im Internet mit Secret TV wieder voll im Geschäft und verbreitet erneut seine Weltverschwörungstheorien, die immer wieder antisemitische Weltbilder beinhalten.
  • Scientology im Werbefeldzug gegen Europa.
  • Jugendliche sind nun wichtigste Zielgruppe, gegen PsychiaterInnen wird weiter mobil gemacht. ExpertInnen warnen vor antidemokratischen Zielsetzungen der umstrittenen Organisation.
  • Neue Erkenntnisse über Bhagwan-Kommunen: Sexueller Missbrauch von Jugendlichen.
  • Carlos Castaneda: Der verehrte Gründer des Neoschamanismus ist entzaubert. Als Leiter einer patriarchalen Sekte und mit seltsamen Todesfällen rund um seinen eigenen Tod stürzt eine Ikone der Esoszene.
  • Aggressives Verhalten von FundamentalistInnen. Andere Meinungen und Perspektiven werden nicht toleriert, mit einer schwarz-weiß-Malerei und verstaubten Morallehren will man Jugendliche zu Gott führen.
  • Ole Nydahl: Buddhistischer Lehrer beehrte die LOGO ESO.INFO mit Klagedrohungen. Vorwürfe rassistischer Einstellungen werden dementiert.
  • Vatikan als neues Opfer seltsamer Verschwörungstheorien. Er soll nun Hort aller Machtgelüste und alles Bösen sein.
  • Vampirismus: BluttrinkerInnen als neuer Trend? Erste Ansätze lassen das manchmal mit Gewaltverherrlichung verbundene Thema Ernst nehmen.
  • Jugendliche fliehen immer öfter in die mythischen Welten des Internets. Die Grenze zwischen normalem Internetkonsum und krankhaftem Verhalten, das zu sozialer Isolation führt, ist oft schwer zu ziehen.
  • In der Steiermark finden Aktivitäten statt, um eine demokratieverträgliche, nicht abhängig machende Spiritualität, als eine Alternative zu vereinnahmenden und sektoiden Angeboten zu entwickeln.

AUSFÜHRLICHER TEXT

DUBIOSE GESCHÄFTE MIT DER GESUNDHEIT

Wie zahlreiche Anrufe und Informationsberatungen bei der LOGO ESO.INFO zeigen, findet in unserer Gesellschaft ein tief greifender Wandel im Gesundheitswesen statt. Immer mehr finden alternativmedizinische Angebote ihre InteressentInnen, während die Schulmedizin oft kritisch bis ablehnend gesehen wird. Zu den alternativmedizinischen Angeboten gesellen sich viele Methoden, die dem esoterischen Bereich zuzuordnen sind, wie z.B. Geistheilen, der in unseren Breitengraden übliche „Schamanismus", Heilen mit Kristallen, Schwingungen, Engeln etc. Der unlängst gegründete, in Köflach ansässige „Dachverband für energetische Methoden und neue Gesundheitsberufe" (DEM) ist zurzeit bemüht, diese Strömungen zu vereinen, sie im gesellschaftlichen Ansehen aufzuwerten und gegen rechtliche Klagen von Seiten der Schulmedizin bzw. der Ärztekammer zu versichern. Diese „energetischen Arbeitsmethoden" sind laut Eigendefinition des Dachverbands „wissenschaftlich nicht nachvollziehbar." (Pulsar 3/06, S.38) WIFI Oberösterreich bietet bereits eine entsprechende Ausbildung an.

Vielfach kommt es auch zu einer Vermischung schulmedizinischer und alternativmedizinischer und / oder esoterischer Angebote. So bemüht sich z.B. die „Akademie für Neues Bewusstsein im Gesundheitswesen" (Köflach) um ÄrztInnen als KursteilnehmerInnen.

Während auf der einen Seite Spiritualität, u.a. als ein Aspekt der von der EU geförderten Mental Health (Begriff nicht übersetzbar, am ehesten noch: "Seelische Gesundheit") als Gesundheitsfaktor eine deutliche Aufwertung erhält (u.a. legen es vor allem amerikanische Studien nahe, dass Spiritualität in etlichen Fällen hilfreich bei der Bewältigung von Krankheiten und Krisen sein kann), tummeln sich im alternativmedizinisch-esoterischen Bereich viele Scharlatane, Leute, die nach ein paar Wochenendseminaren als HeilerIn, TherapeutIn und erleuchtete Gesundheitsaposteln auftreten. Hier wird massiver Missbrauch mit den Sehnsüchten nach Gesundheit betrieben. Menschen werden ausgenützt, finanziell ausgebeutet, u.a. wenn „energetisch aufgeladenes Wasser" teuer verkauft wird. Etliche dieser neuen HeilerInnen und deren Kreise neigen zu sektoiden Strukturen. Beziehungen, Ehen, Freundschaften werden getrennt, um die Heilsuchenden an den neuen Guru zu binden. Skurrile esoterische Ideologien werden verbreitet, manchmal wird davon abgeraten, schulmedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. So wird verunsicherten Eltern mitgeteilt, ihre hyperaktiven Kinder seien so genannte Indigo-Kinder, d.h. fast erleuchtete Wesen, die an mangelnder Anpassung an unsere Gesellschaft leiden. Von ärztlicher, schulmedizinischer Hilfestellung wird oft abgeraten.

Die Bevölkerung, auch junge Menschen, stehen der gegenwärtigen Angebotsfülle und dem Angebotschaos in einer veränderten medizinischen Angebotslandschaft meist hilflos gegenüber. Leicht werden sie in (gesundheitlichen) Krisensituationen Opfer von GeschäftemacherInnen und dubiosen HeilbringerInnen.

Es soll betont werden, dass hier nicht alle alternativmedizinischen Methoden und unkonventionellen Zugänge zur Gesundheit abgelehnt werden. Etliche dieser Techniken stellen nicht wirklich eine Gefahr dar, solange kein missbräuchlicher oder exklusiver Gebrauch davon gemacht wird. Und solange sie nicht als Werbemittel für so genannte Sekten herhalten müssen.

KREISE UM VERURTEILTEN WUNDERHEILER HAMMER AKTIV

Ryke Geerd Hamer, Begründer der als „heilige Medizin" bezeichneten „Germanischen Neuen Medizin", bekannt durch den „Fall Olivia", wurde rechtskräftig verurteilt. Da seiner Meinung nach Krebs gar nicht existiert, führten seine „Behandlungen" zum Tod etlicher seiner PatientInnen. Kritiker sprechen sogar von mehr als 130 Todesfällen, die er direkt oder indirekt zu verantworten hätte ( www.ariplex.com, 14.6.07).

Neben dieser unseriösen „Behandlungspraxis" ist der Wunderheiler auch wegen antisemitischer Ausfälle ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, wie es z.B. folgendes etwas wirres, aber dennoch deutlich antisemitisches Statement von ihm beweist: „Denn seit 20 Jahren praktizieren alle Juden dieser Welt auf Geheiß ihrer Rabbiner die germanische Neue () Medizin (), während alle Nichtjuden gezwungen werden, die dumme alte Schulmedizin mit ihren 5000 Hypothesen zu praktizieren und sich zu 98% mit Chemo und Morphium umbringen zu lassen. Die dumme sog. Schulmedizin ist eigentlich eine jüdische Medizin. Alles ist eingeteilt in ‚gutartig und bösartig´. Es ist der wahnsinnige Kampf der Talmud-Zionisten in ihrem religiösen Wahn alle Nichtjuden der Welt umbringen zu lassen." (zit. nach www.ariplex.com, 14.6.07)

Auch in der Steiermark agieren die Hamerkreise unter der Leitung von Herrn Pilhar im Untergrund, unter dem Siegel einer teilweisen Geheimhaltung. Eifrig wird für die Abhaltung von Vorträgen, Seminaren und Studienkreisen geworben. Dabei ist Vorsicht geboten: „Bitte bewerben Sie die Studienkreise, Vorträge und Seminare so, dass diese mit Internetsuchmaschinen nicht zu finden sind. Es sollen die Termine nirgendwo auf einer Homepage zu finden sein. Über Ihren Email-Verteiler, über Flugblätter, Zeitungsinserate, Plakate usw. könne(n) die Termine weiterhin beworben werden. Die beste Werbung ist die Mund zu Mund-Werbung." (www.pilhar.com, 14.6.07)

Hamers Kreise haben Verbindungen zu einem Teil der esoterischen Szene. Wie die Erfahrung zeigt, werden immer wieder auch Kinder und Jugendliche mit der dubiosen „Germanischen Neuen Medizin" behandelt.

BRUNO GRÖNING FREUNDESKREIS

Der deutlich expandierende Bruno Gröning Freundeskreis hat den Dachstein als heiligen Berg auserkoren. In der Steiermark finden immer wieder Aktivitäten und Werbeveranstaltungen statt. Wichtig bei den geistigen Heilungen ist der „Heilstrom", der Kranke müsse nur die ihn umgebenden „Heilwellen" aufnehmen. Das Bild Grönings und von ihm „aufgeladene" Stanniolkugeln sind dabei auch von Bedeutung.

Eine eigene „Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe" unterstützt die geistigen Heilungen ideologisch. Die LOGO ESO.INFO erreichen immer wieder Klagen von Menschen, die sich als Leidtragende empfinden. Sie berichten, dass die Teilnahme im Bruno Gröning Freundeskreis zur Trennung von PartnerInnen und Freunden führen kann und Kritik an der Gruppe vehement abgewehrt werde. Auch wird offensichtlich immer wieder von schulmedizinischen Methoden abgeraten.

JAN VAN HELSING GOES INTERNET

Jan van Helsing war in den neunziger Jahren die Ikone rechtsextremer Esoterik. Seine erfolgreichen Bücher über Geheimgesellschaften, in denen er einen esoterisch verbrämten Antisemitismus verbreitete, führten zu einer Welle des Protests. 1996 wurde er in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt. In der Schweiz gab es ebenfalls Gerichtsurteile gegen ihn, nur Österreich reagierte nicht. In den letzten Jahren ist es um den Vielschreiber Helsing ruhig geworden. Jetztt ist er, wie es Anrufe beim LOGO ESO INFO zeigen, wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Mit www.secret.tv verbreitet er nun im Internet seine Weltverschwörungs-Botschaften, verbunden mit viel Esoterik. So ist z.B. der in Österreich lebende Shaolin Mönch Shi Xinggui mit einem Interview vertreten. Wieder sind die angeblichen Illuminaten, zu denen federführend die Juden gehören würden, das auserkorene Feindbild. Neben politischer Desinformation werden alte Feindbilder beschworen, die in der nationalsozialistischen Ideologie eine wichtige Rolle spielten und spielen. Aktiv bei Secret TV ist auch der Autor Jo Conrad, der ebenfalls mit esoterisch-rechtsextremen Bezügen auf sich aufmerksam machte.

SCIENTOLOGY: EUROPAOFFENSIVE

Seit einiger Zeit führt Scientology einen neuen Werbefeldzug durch, der europaweit stattfindet. Während Auswirkungen in Österreich bemerkbar sind, ist die Situation in der Steiermark noch relativ ruhig. Scientology bemüht sich verstärkt um Jugendliche, so mit einem umstrittenen Anti-Drogen-Programm („Narconon"), einer so genannten Menschenrechts-Kampagne („Jugend für Menschenrechte International"), die letztlich KritikerInnen mundtot machen soll, und mit Nachhilfeangeboten. Diese sind in der Steiermark nicht wie in Deutschland vereinsmäßig organisiert und somit nicht nachvollziehbar. Die in der Steiermark lebenden ScientologInnen sind freilich im Sinne der Organisation aktiv. Auch mit dem Thema Gesundheit versucht Scientology zu punkten: u.a. mit den umstrittenen Sauna-Marathon-Sitzungen und eigenen Vitaminpräparaten-Angeboten. Dazu gehört auch der radikale Kampf gegen PsychiaterInnen und die Psychiatrie, dem beliebtesten Feindbild der Organisation. Was Scientology betrifft, konnte in der Steiermark ein kritisches Bewusstsein im öffentlichen Bereich und in Teilen der Bevölkerung erzielt werden.

Ernst zu nehmen ist die von Scientology ausgehende politische Bedrohung. Der deutsche Verfassungsschutz hat seine Beobachtungsaktivitäten verstärkt.

Scientologyexpertin Ursula Caberta warnt: „Scientology ist eine neue Form des politischen Extremismus. Es geht um die Umsetzung der Ideologie in den Ländern, in denen sie aktiv sind. Diese bedeutet Abschied von den Grundsätzen der Demokratie." (www.volksstimme.de, 12.4.07)

BHAGWAN/OSHO

Der verstorbene Guru Bhagwan, der sich später Osho nannte, war der erfolgreichste Guru der achtziger Jahre. Noch heute gibt es, auch in der Steiermark, viele AnhängerInnen, die sich im Spektrum von sektiererisch bis undogmatisch mit seinen Lehren und Praktiken beschäftigen. Bhagwan, ehemals spirituelle Ikone der freien Sexualität, war auch Hitlerverehrer und errichtete in Oregon einen faschistoiden Sektenstaat. Eine Sendung in ARTE („Das Kind, die Kommune und der Guru", 17.7.07) brachte nun neue kritische Aspekte des Bhagwan-Kommunentums ans Tageslicht. Eine betroffene Frau, die als Jugendliche zur Gruppe kam, berichtete über die durch den Gruppenzwang gestörte Beziehung zu ihrer Mutter und über sexuellen Missbrauch. Offensichtlich waren jüngere, ideologisch indoktrinierte Mädchen beliebtes Sexualobjekt älterer Männer in der Kommune.

CARLOS CASTANEDA

Für den gerade in der Steiermark so beliebten „Schamanismus" war Carlos Castaneda, Erfolgsautor, angeblicher Schamanenschüler und Ahnherr des Neoschamanismus, eine Ikone. Die Kritik am egozentrischen, Macht orientierten Weltbild des Castaneda, das mit indianischen Religionen nichts gemeinsam hat, verhallte meist ungehört. Nun wurden, acht Jahre nach dem Tod des verborgen lebenden Castaneda, schockierende Ereignisse bekannt: Nachdem seine Erzählungen als Fantasy entlarvt wurden, zog sich Castaneda zurück und gründete in Los Angeles eine Gruppe mit jungen Frauen, die mehr und mehr zur Sekte wurde. Während alle Frauen Castaneda sexuell zu Diensten sein mussten, verbot er ihnen den Kontakt zu alten Bekannten und Familienmitgliedern. Nach seinem Tod ereigneten sich mit dem Schleier des Geheimnisses umgebende Selbstmorde seiner Frauen, die er als „Hexen" bezeichnete. Fünf verschwanden, ein Skelett einer seiner „Hexen" wurde nun im Death Valley gefunden. Der vielfach unkritische Umgang mit „Schamanismus", der sich vor allem als Heilmethode vermarktet, schafft immer wieder, wie es Anrufe bei der LOGO ESO.INFO zeigen, problematische Situationen. Statt Heilung führen „schamanische" Heilrituale manchmal zu Verwirrung und zu einer Verschlechterung der Befindlichkeit. Auch die Trennung von Beziehungen wird bei diesen Sitzungen oft recht willkürlich empfohlen.

FUNDAMENTALISMUS

Während die oft als „Sekten" bezeichneten Gruppen in der Steiermark aus der Perspektive der LOGO ESO.INFO keinen quantitativen Zuwachs verzeichnen, hat ihre Werbetätigkeit über Plakate und Folder etc. leicht zugenommen.

Weitaus bedeutsamer ist aber die Entwicklung im Bereich des Fundamentalismus, der sich im christlichen und moslemischen Bereich zeigt. Der Glaube an den Teufel und die damit verbundene Angstmacherei und eine erzkonservative (Sexual-)Moral schaffen Probleme für Jugendliche, die damit konfrontiert werden. Nimmt man dazu kritisch Stellung, wie es die LOGO ESO.INFO tat, tritt einem eine manchmal beängstigende Aggressivität entgegen, die sich der Differenzierung verschließt und eine sektoide schwarz-weiß-Malerei betreibt.

So nahm ich im Magazin „checkit" (Sommer 2007, S.11) gegen die fundamentalistische Ideologie Stellung, dass es auch nach einer Vergewaltigung keine Abtreibung geben darf. Was junge Mädchen in dieser Situation unter zusätzlichen psychischen Druck setzt. Erboste AnruferInnen legten das als „Werbung für die Abtreibung" aus. Auch passiert es immer öfter, dass das Bekenntnis, nicht an den Teufel zu glauben, aggressive Reaktionen herruft.

Diese Praxis im Umgang mit anders Denkenden weist auf die undemokratischen Überzeugungen hin, die in etlichen fundamentalistischen Gruppen existieren. Ein Gottesstaat mit einem religiösen Führer soll – wenn es nach radikalen FundamentalistInnen geht - unsere Demokratie ablösen. Erste PolitikerInnenstimmen, vor allem aus dem sozialdemokratischen Lager, warnen die EU vor dem mit dem Fundamentalismus verbundenen Kreationismus, der an Stelle der Evolutionslehre Jugendlichen gelehrt werden soll. Der Kreationismus ist mit weit rechts gerichteter Politik verbunden und bedroht, so Guy Lengagne in seinem Bericht an den Europarat, Demokratie und Freiheit. Davor die Augen zu verschließen bedeute „eine Rückkehr ins Mittelalter"(nachrichten.aol.de, 26.6.07). Die Strömung des Kreationismus machte auch vor der Steiermark nicht halt.

OLE NYDAHL

Den Anwälten des bekannten buddhistischen Lehrers, der auch bei Graz eine Schülergemeinde hat, gefiel es nicht, dass ich aus einem Buch einen kritischen Text zitierte, der rassistische, laut Aussagen seiner Rechtsanwälte nie getätigte Aussagen des bekannten Lehrers enthält. Die Autoren des Buches (Trimondi) erhielten keine Klagedrohung, was seltsam war und ist. Die Ausführungen wurden vorerst aus dem Netz genommen, auf meine wiederholten verwunderten Anfragen bei den von Nydahl beauftragten Rechtsanwälten, warum plötzlich das Zitieren eines nicht verbotenen Werkes strafbar sein soll, erhielt ich bis heute keine Antwort. Ich empfinde das als Versuch, kritische Stimmen mundtot zu machen. Ob diese Vorgangsweise dem buddhistischen Geist entspricht? Das Kuriose: Seit einiger Zeit gibt es die von LOGO vorerst entfernte Textpassage wieder im Internet. Wer die hineingestellt hat, ist ein Rätsel.

VATIKAN ALS WELTVERSCHWÖRER

Im Gefolge des Films „Sakrileg" und des gleichnamigen Buchs macht sich neben den zumeist antisemitischen okkulten Weltverschwörungstheorien eine neue Spielart der okkulten Spekulationen breit: Hort des Bösen ist nun der Vatikan, der einmal über das Opus Dei, dann wieder über den Jesuitenorden die Weltherrschaft und dunkle Machenschaften anstrebe (vergl. u.a. Pulsar 1/07, S. 10–12). Anfragen über diesen neuen Ast der Weltverschwörungstheorien und über als „sektoid" und „gefährlich" angesehene Gruppierungen der katholischen Kirche nahmen 2006/2007 deutlich zu.

VAMPIRISMUS

In einer Zeit, in der alles und jedes ausprobiert werden muss, was den Kick verspricht, hat sich auch der Vampirismus als Randströmung verbreitet. Das Trinken von Blut geschlachteter Tiere soll, alten magischen Vorstellungen zufolge, geheime Kräfte vermitteln. Blut ist im Okkultismus ein Machtträger, Sitz der Seele, sein Trinken verspricht Dämonen abwehrende und reinigende Kraft. Der Vampirismus ist nicht unbedingt Teil des Satanismus, kann aber mit diesem verbunden sein. Anrufe, die die LOGO ESO.INFO erhielt, deuten darauf hin, dass auch in der Steiermark einige Jugendliche diesem neuen Kult frönen, wobei das „Ausprobieren" meist die wichtigste Motivation ist. Bedenklich ist, dass sich mit dem Vampirismus manchmal eine Verherrlichung von Gewalt und von Massenmördern verbindet.
Was den Jugendsatanismus betrifft, so hat sich dieser stark in der entsprechenden Musikszene festgemacht (Black Metal), die Verbindung mit rechtsextremen Ideologien nimmt in dieser Szene immer noch zu.

JUGENDLICHE FLUCHT INS ESO-INTERNET

Auch in der Steiermark macht sich ein international feststellbarer Trend bemerkbar: Immer mehr Jugendliche suchen Ablenkung und Unterhaltung im Internet, wobei Spiele mit mythischem oder esoterischem Hintergrund eine Rolle spielen. Schwer ist dabei die Grenze zwischen normalem Verhalten und Suchtverhalten zu ziehen, wo die mythische Ersatzwelt die reale Lebenssituation immer mehr verdrängt. Soziale Verarmung und psychische Probleme können die Folgen sein. Vor allem männliche Jugendliche sind dafür anfällig.

SPIRITUALITÄT POSITIV

Die LOGO ESO.INFO ist auch bemüht, konstruktive Bemühungen um eine Spiritualität wahrzunehmen, die mit demokratischen, antirassistischen Grundsätzen kompatibel ist, keine guru/führerInnenzentrierten Abhängigkeiten schafft, die Würde und Freiheit des Individuums achtet und sich verantwortlich für die Mitwelt empfindet. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt die LOGO ESO.INFO derartige Bestrebungen, um an der Gestaltung von Alternativangeboten zu antidemokratischen, entmündigenden Trends des esoterischen und sektoiden Supermarkts mitzuwirken.

Bei aller notwendigen Kritik an Missständen und Konfliktpotentialen im ESO-Bereich ist die LOGO ESO.INFO der Religionsfreiheit, der Toleranz und dem Abbau von Vorurteilen gegenüber neuen spirituellen Formen verpflichtet.

Soweit die wichtigsten Entwicklungen des steirischen ESO-Bereichs. Auf die übliche Knochenarbeit, die mit oft gleich bleibenden Strömungen und Gruppen zu tun hat, wird hier nicht näher eingegangen. Die zunehmende Zersplitterung des ESO-Bereichs, bedingt durch viele neue Trends und AnbieterInnen, die anders als etablierte esoterische und spirituelle Gruppen und Organisationen einen kleinen KundInnen- oder AnhängerInnenkreis haben, bedeutet immer neue Herausforderungen.

2006 verzeichnete die LOGO ESO.INFO mehr als 1.500 fachspezifische Kontakte, Informationsberatungen finden durchschnittlich zwei Mal wöchentlich statt. Diesen Zahlen werden 2007 wahrscheinlich noch übertroffen werden, da wir bis Ende Juli bereits mehr als 930 Kontakte verzeichnen konnten. Bei den persönlichen Informationsberatungen und fachspezifischen Anfragen sind Verschwiegenheit und Anonymität garantiert.

Dr. Roman Schweidlenka, August 2007
Leiter LOGO ESO.INFO

PROJEKTE:

Mitmischen bei den Wahlen in der Steiermark und Vielem mehr. Verbindungen knuepfen, Gemeinsamkeiten entdecken, Bewusstsein schaffen. Beteilige dich an den ersten steirischen Jugendgesundheits-konferenzen! Gesundheitskompetenz in der professionellen, ausserschul. Jugendarbeit.

Stadt Graz, Amt für Jugend und Familie auf www.graz.atLand Steiermark, Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft auf www.verwaltung.steiermark.at

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